Testbiene unter Corona-Virus-Verdacht!

Trotz Grippeschutzimpfung hat mich vor rund einem Monat eine Grippe regelrecht umgehauhen. Es ging los mit vier Tagen rasenden Kopfschmerzen und Fieber. Kaum war das Fieber etwas abgeklungen, stürzte ich mich natürlich wieder in die Arbeit.

Wer kann es sich in der heutigen Leistungsgesellschaft schon herausnehmen, sich voll und ganz auszukurieren? – so schnell veralten Glaubenssätze, nicht wahr?

Nur wenige Tage danach, wachte ich morgens mit starkem Schluckweh auf, gefolgt von völligem Stimmverlust. Dann kamen noch weitere Erkältungssymptome dazu wie Niesen, Schneuzen und Husten. Nachdem ich mich erst mit einer Batterie an Hausmittelchen selbst behandelte, ging es irgendwann dann doch nicht mehr und ich vereinbarte einen Termin bei meinem Hausarzt.

Beim Eintreten in die Praxis wurde ich gleich in Empfang genommen und in eine separates Zimmer geführt. Wenige Minuten später öffnete sich die Tür und der Artzt trat ein, allerdings hielt er gebührenden Abstand zu mir. Dann ging alles ganz schnell. Aufgrund meiner Symptome wurde ich direkt zur Abklärung auf Corona-Virus-Infekt im Spital angemeldet.

Folgen Sie den Strichen am Boden und der Kennzeichnung im Lift!

Die Spitäler sind vorbereitet. Schon vor dem Eingang wurde mir eine Gesichtsmaske gegeben, die ich sofort anlegen musste. Der Weg zur Abteilung, wo auf Corona-Virus getestet wird, ist mit farbigen Streifen auf dem Boden und einer Beschriftung im Lift gekennzeichnet.

Beim Anblick der vermummten Ärztin geriet ich in Panik

Oben angekommen kam mir auf dem Gang eine Ärztin mit Mundschutz, Schutzbekleidung und Handschuhen entgegen. Bis zu dem Moment folgte ich einfach Anweisungen und funktionierte. Beim Anblick der Ärztin überkam mich dann schlagartig die Angst.

Mir schossen die Bilder aus China, die ich im Fernsehen sah, ins Gedächtnis. Von Patienten, die in Sauerstoff-Transportboxen in Ambulanzwagen eingeladen wurden, von Begleitern in Schutzanzügen, die hinterher gingen und die Umgebung mit Desinfektionsspray besprühten.

Ich dachte an meine Familie, an meine Kinder und daran, dass ich sie nicht alleine lassen wollte. Meine Eltern sind beide früh verstorben und meine Söhne sollten doch nicht das gleiche Schicksal erleiden. Ich geriet in Panik, zitterte und weinte mitten auf dem Gang.

Sachliche Informationen aus erster Hand, wirkten Wunder

Die Ärztin verschwand in ein Untersuchungszimmer. Sie hatte mich gar nicht gesehen. Ich stand immer noch zitternd auf dem Gang. Erstarrt vor Angst. Da entdeckte mich eine Schwester und kam auf mich zu. Auch sie war vermummt. „Aufgrund Ihrer Maske nehme ich an, Sie kommen zum Abstrich?“ – fragte sie und auch wenn ich es nicht sah, erkannte ich an der Stimme, dass sie lächelte. Ich senkte den Blick. Es war mir peinlich, dass ich weinte. „Ja“. – krächzte ich heiser.

„Na dann kommen Sie mal mit, ich zeige Ihnen das Zimmer wo Sie warten können“. Sie ging mit festem Schritt voran, öffnete eine der Türen und liess mich eintreten. „Am besten setzen Sie sich hier auf die Liege. Es wird gleich eine Ärztin kommen und den Abstrich vornehmen.“ Die ruhige, gelassene Stimme der Schwester beruhigte mich.

Ich sah aus dem Fenster. Es war ein schöner Tag, perfekt für einen Spaziergang durch den Wald.

„Wann war ich eigentlich das letzte Mal spazieren?“ – fragte ich mich unwillkürlich. Seit dem Tod unseres Hundes war ich viel zu wenig draussen und dafür viel zu viel am Computer. Das musste sich ändern. Es musste sich vieles ändern. Erstaunlich, wie sehr eine Krankheit einem wieder zurück zu sich selbst bringt.

Die Tür ging auf. Die vermummte Ärztin von vorhin trat ein. Sie stellte sich vor und erklärte mir, dass sie zweifach einen Abstrich machen wird. Zweimal im Rachen, zweimal in der Nase. Bis das Ergebnis da ist, sei es notwendig, dass ich mich selbst in Quarantäe begebe. Jetzt war die Angst wieder da. Doch die Ärztin sprach weiter, ruhig und sachlich. „Wir haben verlässliche Daten, dass die Krankheit in den meisten Fällen mild verläuft. Ältere Menschen über 65 oder Personen mit Vorerkrankungen haben allerdings ein höheres Risiko für einen schwereren Verlauf. Dazu gehören Sie allerding nicht.“

Die ruhige Art der Ärztin und die auf das Wesentliche konzentrierten Informationen wirkten Wunder. Ich war wieder ganz bei mir. Ich erhielt weitere Informationen, wie ich mich in den nächsten Tagen zu verhalten habe. Sprich: Zuhause durfte ich mich nur in einem Zimmer aufhalten. Dieses musste ich regelmässig lüften. Wenn ich aus dem Zimmer ging, weil ich zur Toilette musste, dann durfte ich das nur mit Schutzmaske und ich musste alles, was ich anfasste desinfiszieren.

Ich fühlte mich wie eine wandelnde Waffe

Nebst Verhaltensregeln für mich, bekam ich ein Kontaktformular. Meine Aufgabe war es, mir zu überlegen, mit wem ich in der vergangenen Woche näheren Kontakt hatte. Unter näherem Kontakt wird ein Aufenthalt von mehr als 15 Minuten, im Abstand von unter 2 Meter verstanden. Da ich immer viel unterwegs bin, füllte sich die Liste schnell mit Namen.

Dann musste ich kennzeichnen, wer von den Kontakten zur Risikogruppe gehört (über 65 Jahre oder Personen mit Vorerkrankungen). Ich ging die Liste durch und zuckte bei mehreren Namen, die ich entdeckte und die definitiv zu einer der Risikogruppen gehörten, zusammen.

Ganz plötzlich ging es nicht mehr um mich. Mir wurde regelrecht schlecht beim Gedanken daran, was pasieren würde, fiele mein Test positv aus. Die Behörden würden mit den Menschen auf meiner Liste Kontakt aufnehmen, um ihnen mitzuteilen, dass sie aufgrund des Kontaktes mit mir, allenfalls angesteckt worden sind. Ich fühlte mich wie eine wandelnde Waffe.

Gemeinsam gegen die Angst, nur zusammen sind wir stark

Ein Virus ist unsichtbar und lange vor einer Infektion kommt die Angst. Angst um uns, unsere Kinder, Angst um ältere Verwandte, Angst um Freunde und Bekannte. Aber die Angst ist ein schlechter Ratgeber. Angst lässt uns Hamsterkäufe tätigen, Desinfektionsmittel horten, wenn es andere nötiger hätten und Schutzmasken in Spitälern stehlen. Die Angst lässt uns ohne Schutzmaske und jegliche Rücksicht auf das Wohl anderer in Wartezimmer voller Menschen stürmen, wenn wir krank sind.

Was hilft, die Angst zu vertreiben sind Informationen und Vernunft. Informationen aus erster Hand gibt es auf den offiziellen Seiten der Behörden. Dort stehen auch klare Handlungsanweisen, an die wir uns alle halten sollten.

Die Vernunft sagt uns ganz klar, was wir tun sollen: Solidarisch sein! Die Ausbreitung des Virus können wir nur gemeinsam eindämmen. Alles was wir zu tun haben, ist unseren eigenen Bedürfnisse für einmal hinten an zu stellen und ganz einfach ZUHAUSE bleiben!

Solidarität bedeutet, dass wir nur gemeinsam stark sind. Schade nur, dass ausgerechnet ein Virus uns das so schmerzlich klarmachen muss.

Rückzug in die Familie; starke Frauen braucht das Land

Kitas, Kindergärten und Schulen bleiben geschlossen. Diese Regelungen fordern besonders die Mütter. Einmal mehr. Ich arbeite selbst als Dozentin, Lehrperson und Coach und die Hüte, die ich über den Tag verteilt trage, sind so vielfältig und anspruchsvoll wie noch nie.

Frühstück, Mittag- und Abendessen machen, Hausaufgaben einteilen für beide Jungs, Erklärvideos drehen, Arbeitsaufträge erarbeiten und passende Lerninhalte für meine Schüler- und Schülerinnen finden, aufbereiten und in eine Lernplattform hochladen, wirtschaftliche Modelle erklären, Fallstudien erarbeiten und Coachinggespräche durchführen auf Zoom.

Ja es ist viel, aber es gibt Zeiten da geht es einfach nicht anders. Gestern gab es einen Moment, da verliess mich für einen Moment die Kraft und Zweifel überkamen mich. Wie sollte ich das durchhalten? Da erinnerte ich mich an ein Bild, das 2010 auf dem Guardian publiziert wurde:

Photograph: Chadden Hunter/BBC NHU

Das Bild zeigt ein riesiges Rudel von 25 Wölfen, die Bisons auf dem Polarkreis im Norden Kanadas jagen. Im Wood Buffalo National Park schwanken die Temperaturen im Winter um -40 ° C.

Das Bild war lange Zeit auf Facebook populär, allerdings waren die Angaben dazu nicht korrekt. Es handelt sich bei diesem Rudel um einen Familienverbund. Zuvorderst geht stärkste Weibchen des Rudels. Es bahnt für sich und die anderen Weg durch den Schnee, die Rudelmitglieder haben es dadurch einfacher, weil sie in den Spuren des Weibchens gehen können.

„You go girl!“ ;D – Das Bild spiegelt für mich ganz gut die aktuelle Situation wieder. Wenn es um den Familienverbund geht, dann sind es die Mütter, die den Lead übernehmen, den Alltag organisieren, Aufgaben verteilen und die Fäden in der Hand haben. Think Management, think male? In Krisenzeiten wie diesen werden Stereotype auf den Kopf gestellt.

Die positve Grundeinstellung nicht verlieren – der erlösende Anruf

Eine positive Grundeinstellung ist wichtig, aber wie soll diese in Zeiten wie diesen aufrecht erhalten werden? Meine Gedanken schwankten die letzten Wochen dramatisch zwischen Gelassenheit und Zuversicht bis hin zu Existenz- und Todesängsten.

Wenige Tage nach meinem Spitalaufenthalt kam der erlösende Bescheid: Mein Test war negativ. Einen kurzen Augenblick war ich erleichtert „vorerst“, hörte ich eine Stimme in meinem Kopf sagen. Welchen Einfluss unseren Gedanken auf unseren Körper haben, weiss ich nicht erst seit ich Psychologie Studiert habe.

„Jedes Mal, wenn du einen Gedanken denkst, strömen verschiedene chemische Stoffe durch deinen Körper. Entweder vergiften sie den Körper, oder sie stärken dein Immunsystem. Denken ist alles.“ Louise L. Hay

In Ihrem Buch „heal your body“ schrieb Louise Hay 1976 folgendes über eine mögliche Ursache von Influenza in der Körpersprache:

Reaktion auf Massennegativität und Überzeugungen. Angst.
Glaube an Statistik.

Gemeinsam mit meiner Familie halte ich alle Handlungsanweisen ein. Wir bleiben zuhause, wenn ich einkaufen muss, halte ich den Mindestabstand zu anderen ein, wir Waschen uns die Hände, wenn wir draussen waren.

Meine Rolle als berufstätige Mutter versuche ich so gut es geht zu erfüllen. Von Perfektion bin ich soweit entfernt, wie noch wie. Ich mache alles so gut wie ich kann, so gut halt, wie es unter den aktuellen Umständen geht.

Wenn meine Gedanken aufgrund von neusten Prognosen und Negativmeldungen abschweifen, schliesse ich die Augen und sage mir eine Affirmation auf, die ich mir für diese schwere Zeit aufgeschrieben habe:

Mit jedem Atemzug strömt Angst aus und Friede ein.
Ich werde immer besser darin, die Angst loszulassen.“

Es geht uns allen gleich und auch wenn die Grenzen der Länder geschlossen bleiben, Corona hält sich nicht an Grenzen. Corona hat aber eine Schwäche: Corona kennt das Wort Solidarität nicht. Wir schon.

Bleibt gesund – für euch selbst und für andere!

Herzlichst, eure Testbiene

About Alexandra

Testerin aus Leidenschaft * Ideenproduzentin * Mama * Bloggerin * Kreative Chaotin * Souverän in komplexen Situation * Naturliebhaberin * humorvoll * glücklich * dankbar *