Oktoberfest – regiert hier wirklich die Gemütlichkeit?

Die Maß ist leer, das Sackerl auch?

Das „Bia“ ist ausgetrunken, die „Brezn“ und die „Hendl“ verspeist. Vergangenes Wochenende ist das 185. Oktoberfest zu Ende gegangen. Schön war’s, auch wenn ich diesem Jahr nicht so fit wie sonst zum Wiesn-Wahnsinn in München angetreten bin. Weniger fit, dafür mit deutlich mehr Verstärkung als sonst. In diesem Jahr sind wir nämlich mit der kompletten Familie angereist. Sina und Kim, 20 und 18 Jahre alt sowie Noah und Nicola, 10 und 7 Jahre alt. Mit der Familie Oktoberfest? Soll man sich das antun? Macht das überhaupt Spass? Kostet das nicht eine ganze Stange Geld?

Nun es ist wie mit vielen anderen Dingen im Leben auch, wenn man die Gegebenheiten ein wenig kennt, kann man sich so organisieren, dass alle was davon haben. Falls ihr euch auch schon mal Gedanken gemacht habt, ob es sich lohnt mal hinzufahren, dann begleitet mich und meine Familie doch in den grössten und multikulturellsten Biergarten der Welt und bildet euch ein eigenes Urteil.

Wie die Wiese zur Therese kam

Wenn ein zukünftiges Königspaar Hochzeit feiert, dann muss das dementsprechend gross gefeiert werden, dachte sich im Jahre 1810 der Bankier und Kavallerie-Major Andreas von Dall’Armi. Er hatte damals die Idee ein grosses Pferderennen zur Feier der Hochzeit auszurichten. Er übermittelte den Vorschlag an den damaligen König Max I. Joseph von Bayern und der war sofort begeistert von der Idee. So kam es, dass am 17. Oktober 1810 zu ehren der Hochzeit von Ludwig von Bayern und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen ein grosses Fest auf der damaligen „Wiese“ ausgerichtet wurde. Nach der Hochzeit wurde die Wiese zu Ehren der Braut Therese zur heutigen Theresienwiese umbenannt und die Begeisterung des Volkes für dieses Fest war so enorm, dass klar war, dass dieses Fest von nun an jährlich stattfinden soll.

Oktoberfest

Festlich geschmückt ziehen die Wirte zur auf die Münchner Theresienwiese

Pferderennen gibt es heute keine mehr und auch seine Brotzeit kann man sich nicht selbst mitbringen, so wie es die altbayerische Tradition eigentlich will, trotzdem ist die Begeisterung für dieses Fest ungebrochen und die Theresienwiese zieht jedes Jahr mehr Menschen an.

2018 reisten ganze 6,3 Millionen Besucher zum grössten Volksfest der Welt an. Sechs davon waren wir.

Mit der ganzen Familie zur Wiesn

Accor Hotels, für mich immer ein sicherer Wert

Wie schon in den Vorjahren haben wir im ibis Styles München Ost-Messe übernachtet. Die Accor Hotels sind gerade wenn die Familie dabei ist, für mich immer ein sicherer Wert. Es ist ein wenig wie bei McDonalds, man weiss einfach ungefähr, was einen erwartet.

Ibis

Teppich in Holzoptik im Flur

Das Hotel ist kinderfreundlich eingerichtet und die Zimmer und das gesamte Interieur sind so gestaltet, dass sich gross und klein wohl fühlt. Direkt neben dem Hotel gibt es noch ein italienisches Restaurant. Nach dem ganzen Wiesn-Rummel ist es ganz angenehm, wenn man im Anschluss mit der Familie den Abend gemütlich und ruhig ausklingen lassen kann.

Die Kinder-Snack-Box gibt es täglich kostenlos dazu

In diesem Jahr haben wir das Familien-Zimmer mit grossem Doppelbett und einem separat abgeteilten Etagenbett für uns und die Jungs gebucht, für die Mädels haben wir noch ein Doppelzimmer dazu genommen (Nicht nur, aber auch um ein zweites Badezimmer zur Verfügung zu haben ;D.)

Blick ins Familienzimmer vom Flur aus

Angereist sind wir am Donnerstag und sind für zwei Nächte geblieben. Kostenfaktor für die Hotelübernachtungen inklusive Frühstücksbuffet: EUR 856,00.

Ausreichend Stauraum für alle

Die Kids haben ihren eigenen Bereich mit Hochbett und eigenem Fernseh

 

 

 

und Platz zum Lesen

Ibis

Platz zum Arbeiten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Bushaltestelle ist vom Hotel aus zu Fuss in wenigen Minuten schnell zu erreichen. Die Linie 149 führt zum Ostbahnbahnhof und von dort geht’s gleich weiter zur Hackerbrücke, von wo aus man in rund 10 weiteren Gehminuten zum Nordeingang des Oktoberfests gelangt. Lädt man sich die MVG Fahrinfo-App runter, kann von jedem Standort aus in München übrigens einfach «Oktoberfest» als Ziel eingegeben werden.

Die Familientageskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel in München kostet EUR 12,80. (Das Familienticket ist gültig für 2 – 5 Personen, Kinder zwischen 6 und 14 Jahren zählen halb). Das Ticket kann auch online auf www.mvv-muenchen.de gebucht werden.

Die Hauptattraktion unserer Jungs: Fahrgeschäfte und Schiessbuden

Während die Ü-18-jährigen unserer Familie ja am liebsten eifach ganz gemütlich im Bierzelt zur Musik schunkeln, ticken unsere Jungs da ganz anders. Wahnsinnig muss es sein, je schneller und wilder desto besser. Das Angebot diesbezüglich ist riesig. Demgegenüber stehen allerdings wie so oft in der Wirtschaft die begrenzten Ressourcen. Eine Fahrt kostet je nach Fahrgeschäft zwischen EUR 5,00 und EUR 10,00. Jetzt möchten ja aber (zum Glück) nicht alle der Familie immer auf alle Fahrgeschäfte mit, trotzdem haben wir beim Wiesn-Besuch insgesamt EUR 234,00 für diesen Programmpunkt ausgegeben.

Trubel und Fahrgeschäfte soweit das Auge reicht

Eine besondere Überraschung erwartete uns übrigens beim Büchsenschiessen, hier gab es nämlich freie Auswahl, wenn alle Büchsen getroffen wurden. Es lohnt sich ohnehin, vorab nachzufragen, welche Preise gewonnen werden können. Auch wenn es einfacher aussieht, das Ringwerfen war deutlich teurer und die Gewinnchancen um einiges geringer.

Oktoberfest

Beim Büchsenschiessen gewonnen, – ein Riesenbär

Wer’s günstiger mag: Am Dienstag ist Familientag auf der Wiesn

Jeweils am Dienstag ist Familientag und die Fahrgeschäfte und auch die Gastronomie bieten an diesem Tag bis 19.00 Uhr günstigere Preise an.

Tipp für Eltern mit kleineren Kindern: Auf der Wiesn gibt’s das Familienplatzl in der Wiesn-Straße 3. Dort finden Eltern alles, was den Oktoberfest-Besuch mit den Kleinen entspannter macht. Wickelraum und Kinderwagenparkplatz sind ebenso vorhanden wie die ein oder andere Bude, an denen sich die Kinder vergnügen können.

Was mir auch immer gut gefallen hat, als unsere Jungs noch kleiner waren ist das Areal der („Oide Wiesn“). Zu diesem Teil des Oktoberfestes muss zwar Eintritt gezahlt werden muss, ist man aber erst mal drin, dann kosten die Fahrgeschäfte dafür deutlich weniger als auf dem übrigen Gelände.

Ohne Platzreservation ins Festzelt

Wir besuchen nun schon seit Jahren das Oktoberfest und haben die Erfahrung gemacht, dass es unter Tag sehr gut möglich ist, einfach ein Zelt anzusteuern und eine der Bedienungen zu fragen, ob es noch freie Plätze gibt. In der Regel wird innert weniger Minuten ein Tisch mit entsprechend Platz ausgemacht, wo man sich dazu setzen kann. Wenn Kinder dabei sind, bietet es sich an, um die Mittagszeit ins Festzelt zu gehen.

Zwischen 13.00 und 16.00 Uhr findet man gut noch einen Platz und die Zeit reicht völlig aus um eine Mass Bier, eine Brezn und ein halbes Hendl zu verdrücken und nebenbei noch die Stimmung im Zelt mitzubekommen und einen Vorschuss davon, was da abends abgeht. Ganz ehrlich: Wenn die Kinder dabei sind, dann verlassen wir die Wiesn immer vor 17.00 Uhr. Bereits ab dieser Zeit nimmt die Zahl der unschönen Szenen der stark alkoholisierten Personen zu und der Spassfaktor mit jüngeren Kindern dementsprechend ab ;D.

Ein Prosit, ein Proo-sit auf die Gemütlichkeit!

In diesem Jahr waren wir übrigens zu Besuch im Paulaner-Zelt (wir wechseln da aber jedes Jahr ab und arbeiten uns von Zelt zu Zelt). Das Wahrzeichen des Zelts ist der Turm mit dem sich drehenden Paulaner Masskrug unterhalb der Bavaria. Die Zelte auf der Wiesn sind immer alle herrlich geschmückt, besonders gefallen mir immer die Decken, die mit farbigen Bändern verziert sind. Wer übrigens erwartet, dass man aufgrund der Besuchermassen ewig auf seine Bestellung warten muss, nur um im Anschluss ein kaltes Gericht mit schalem Bier runterzuspülen, der irrt.

Die Organisation in den Zelten ist top, das Essen trotz der grossen Stückzahl wunderbar und das Bier frisch gezapft und so gut, dass es eigentlich fast schon schade ist, dieses auf einer Bank stehend auf Ex zu trinken. Aber wer im Bierzelt die Meute auf sich aufmerksam machen möchte, kommt da wohl oder übel nicht drum rum! ;D

Nein, naürlich nicht auf Ex und schon gar nicht auf dem Festbank stehend ;D

Paulaner Oktoberfest-Bier wird übrigens jedes Jahr nur zwischen Juli und Oktober extra für das Oktoberfest gebraut. Natürlich in München selbst. Ausgeschenkt werden davon dann über 1 Million Maß. (Bei einem Bierpreis von EUR 11,50, setzt Paulaner somit EUR 11.500.00,00 nur mit Bier um. Na dann gleich noch ein Prosit auf die Gemütlichkeit! :D).

Die Rechnung im Paulaner Zelt für Speis und Getrank belief sich für uns auf EUR 130,00 inklusive Trinkgeld. Eine Riesenbrezn kostet knapp EUR 6,00, eine Maß. EUR 11,50 und ein halbes Hähnchen nochmals rund EUR 11,00 (Als Erwachsener muss man für das Mittagessen somit rund EUR 28,50 kalkulieren, unsere Jungs haben sich alles geteilt, ihr Liter Limo kostete EUR 10,40).

Das ist alles an anderen Orten natürlich (viel) günstiger zu haben, aber für diese Erlebnisgastronomie der besonderen Art sind wir einmal im Jahr gerne bereit etwas mehr zu bezahlen. Über Mittag (11.00 bis 15.00 Uhr) gibt es auch vielerorts spezielle Mittagsmenüs zu günstigeren Preisen.

Unser Fazit (nicht unter alkoholeinfluss geschrieben ;D)

Die zwei Tage in München haben mit allem „drum und dran“ rund EUR 1.500,00 gekostet (inkl. Anreise mit dem Privatfahrzeug). Teilt man diesen Betrag durch 5 (4 Erwachsene plus die zwei Kinder, die ich jeweils halb miteinrechne), dann kommt man auf rund EUR 300,00 pro Person. Für einen 2-tätigen Städtetripp ein Betrag, der mir nicht übertrieben scheint.

Der teuerste Programmpunkt sind sicherlich die Fahrgeschäfte. Eine Fahrt kostet schnell mal EUR 10,00. Deswegen sollten gerade Familien vor dem Wiesn-Besuch eine Absprache treffen und mit den Kindern vereinbaren, wie viele Fahrten sie machen dürfen. Es lohnt sich zudem die Fahrgeschäfte miteinander zu vergleichen. Bei so vielen verschiedenen Möglichkeiten, macht es auch Spass, erstmal bei einigen zu schauen und sich als Familie gemeinsam zu beraten, bevor man sich entscheidet. Wie gesagt, bei uns war es auch so, dass nicht jeder von uns jede Fahrt mitmachen musste (oder wollte ;D).

Was wohl jeden Oktoberfestbesucher staunen lässt, ist die Grösse des Areals. Die Theresienwiese umfasst ganze 42 Hektar. Dreht man sich um sich selbst, dann sieht man soweit das Auge reicht nichts als Fahrgeschäfte, Schiessbuden, Essens- und Süssigkeitenstände und die Festzelte der Bierbrauer. Dazu kommt das buntgemischte, multikulturelle Publikum. Die meisten davon ob gross ob klein traditionell in Dirndl und Lederhose gekleidet. Volksfest, multikultureller Biergarten und weltgrösste Motto-Party, alles in einem und alles an einem Ort. Das muss man einfach einmal gesehen haben!

Spannend finde ich persönlich ja immer die kreativen Kombinationen der Damen zu den Dirndl. Gerade auch in Punto Accessoires und Schuhe.

Was trug eigentlich Frau / ich in diesem Jahr?

Natürlich kann ich es verstehen, dass nicht jeder den ganzen Tag so wie ich in hohen Schuhen kilometerweit über das Festgelände gehen möchte (auch ich wähle aber zum Oktoberfest Schuhe mit einem breiten Absatz), Sneaker und hohe Stiefel passen aber einfach nicht zu dem sehr femininen Kleidungstück.

Eine gute Alternative wären da Ballerinas, die sind bequem. Wer aber am Abend unterwegs ist, sollte andere Schuhe anziehen. Kommt man nämlich am Abend aus dem Bierzelt, dann liegen  überall Scherben rum und die dünne Sohle der Ballerinas wird leicht durchschnitten. Eine etwas rustikalere Variante, die gut zu einem längeren, schlichten Dirndl passt, sind robuste Wanderschuhe und die traditionellen Haferlschuhe. Traditionell gehören zu diesen Schuhe übrigens grobe Wollsocken.​

In diesem Jahr waren Dirndl in soften Pastelltönen wie Rosa, Hellblau oder Grau angesagt, dazu Blütenmuster, die die Dirndl herrlich verspielt wirken liessen. Perfekt dazu passten zarte Spitzenschürzen. Zwei meiner Dirndl hätten hier gut reingepasst.

Dirdl

Wer die Wahl hat…

In diesem Jahr war mir nicht so nach mitschwimmen mit der Trendwelle und  daher entschied ich mich dann doch für eine dunklere Variante in schwarz/violett.

Dirndl

Meine Dirndl-Wahl 2018

 

 

 

 

 

 

 

 

Was ich in diesem Jahr auch oft gesehen habe, waren Hüte. Das würde mir auch sehr gut gefallen. Mal sehen, ich nehme das mal als Projekt für’s nächste Jahr auf.

Wie sieht es bei euch aus? Wart ihr auch auf dem Oktoberfest oder eine Oktoberfest-Veranstaltung in eurer Nähe? Was gefällt euch denn besonders gut bei den Stylings?

Bis zum nächsten Mal „pfiat di“, eure Testbiene

 


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2 Kommentare

  1. Sehr sehr schöner Einblick!
    Ich glaube fast nur, dass ich das große Bier niemals leer kriegen würde :).
    Liebe Grüße und einen guten Start in die Woche wünsche ich dir!!!

    • Guten Morgen Shadownlight, eine Mass das sind ja 1 Liter Bier. (Mir reicht das dann auch! ;D) Du kämst glaube ich aus dem Staunen nicht mehr raus, wieviele Mass Bier teilweise pro Tisch pro Person getrunken werden… Oh je, – deswegen auch mein Tipp mit den Kindern die Veranstaltung vor 17.00 Uhr zu verlassen. Liebe Grüsse und auch dir weiterhin eine schöne Woche! Liebe Grüsse

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